PIAAC und ECDL: Wie Österreich die Anzahl der kompetenten ComputerbenutzerInnen erhöhen kann

In Österreich gibt es deutlich weniger ComputernutzerInnen mit fortgeschrittenen Kenntnissen – ECDL-Module könnten Abhilfe schaffen

25% der 16- bis 65-jährigen ÖsterreicherInnen haben bei der aktuellen PIAAC-Studie („Erwachsenen-Pisa“) ungenügende Computerkenntnisse gezeigt oder waren der Aufgabenbearbeitung am Computer schlicht nicht gewachsen. Die Österreichische Computer Gesellschaft (OCG) analysierte das Ergebnis unter Einbeziehung der Lerninhalte des Europäischen Computer Führerscheins.

Schon allein die Kenntnisse des "kompakten ECDL" (ECDL Base) decken die Kenntnisse bis zur PIAAC-Kompetenzstufe 2 ab. Für die Kompetenzstufe 3 ist weiteres Computerwissen erforderlich, wie es etwa auch durch das ECDL Standard-Modul "Online-Zusammenarbeit" vermittelt wird. Während sich die Ergebnisse für Österreich in den niedrigeren PIAAC-Kompetenzstufen im OECD-Durchschnitt bewegen, schneidet Österreich in der Kompetenzstufe 3 sehr schlecht ab: Österreich belegt beim Anteil der Computernutzer mit diesen fortgeschrittenen Kenntnissen nur den 14. Rang unter allen untersuchten 19 Nationen. Im OECD-Durchschnitt fallen 5,8% der 16- bis 65-Jährigen darunter, in Österreich sind es nur 4,3%.

Besonders schlechte Computerkenntnisse in Österreich zeigen sich auch in manchen Altersgruppen. So hatten bei der PIAAC-Studie 29,2% der 44- bis 65-Jährigen Österreicher angegeben, über keine Computerkenntnisse zu verfügen.

Der Kompetenzverlust mit zunehmendem Alter fällt in Österreich viel gravierender aus als in den skandinavischen Ländern und Australien. In diesen Ländern wird im Gegensatz zu Österreich mit effizienteren Erwachsenenbildungsprogrammen gegengesteuert.

Konkret haben bei den 16- bis 24-jährigen Österreichern noch 91,2% gute Computerkenntnisse. Bei den 55- bis 65-Jährigen sind es aber nur noch 44,9%. Hier die Zahlen im Detail:

  • 16-24-Jährigen: 91,2%
  • 25-34-Jährigen: 84,7%  
  • 35-44-Jährigen: 78,9%
  • 45-54-Jährigen: 68,7%
  • 55-65-Jährigen: 44,9%

Schlussfolgerungen der Österreichischen Computer Gesellschaft (OCG)

Aus den PIAAC-Ergebnissen hat die Österreichische Computer Gesellschaft OCG einige Schlussfolgerungen gezogen:

  • Die OCG rät, auch nach absolviertem ECDL diesen in regelmäßigen Abständen  zu erneuern oder um zusätzliche Module und damit zusätzliche Computerkenntnisse zu ergänzen. Denn gerade im IKT-Bereich muss ständig dazugelernt werden.
  • Die Generation der „Digital Natives“ hat zwar keine Berührungsängste im Umgang mit den digitalen Medien und Devices, aber eine Garantie für Problemlösungskompetenz oder Kenntnisse, wie sie am Arbeitsplatz verlangt werden, ist das keineswegs. Auch bei dieser Gruppe der jungen Computernutzer müssen diese Problemlösungskompetenzen geschult werden.
  • Für den digitalen Bereich muss ein klares Bildungsziel definiert werden, das sich an Begriffen wie „Digital Literacy“, „digitalen Kompetenzen“ bis hin zu „Medienkompetenz“ orientiert. Je nach Auslegung sollte es auch Problemlösungsstrategien, informatisches Denken, die Beherrschung von Software, konzeptuelles Verständnis, Sicherheitsaspekte und Ähnliches umfassen. Es scheint auch klar, dass man nicht erwarten kann, dass die Aneignung dieser weitreichenden und komplexen Kompetenzen von selbst passiert, nur weil eine Generation von Kindern und Jugendlichen als „Digital Natives“ tituliert wird.
  • Was die „Digital Immigrants“ betrifft, spricht die Studie eine klare Sprache: Knapp 30 % verfügen über keine Computerkenntnisse und sind damit von wesentlichen Informationsquellen und -prozessen abgeschnitten. Und das, obwohl sie in der Altersgruppe der 44- bis 65-Jährigen überwiegend noch voll in der Phase des  Erwerbslebens stehen. Auch in dieser Gruppe müssen Computerkenntnisse gezielt gefördert werden.

Den genannten Herausforderungen im Bereich „IKT und Bildung“ setzt die Österreichische Computer Gesellschaft (OCG) zielgerichtete Initiativen entgegen:

  • Projekte im Bereich Robotik holen Kinder und Jugendliche mit einem spielerischen Zugang bereits im Kindergarten- und Volksschulalter ab und verfolgen diesen Ansatz bis in die höheren Schulen (www.ocg.at/ready).
  • Der Wettbewerb „Biber der Informatik“ aktiviert die Problemlösungskompetenzen von Kindern und Jugendlichen mit kniffligen Aufgaben, in denen immer eine Prise Informatik versteckt ist und auch Begriffe wie „Algorithmus“ plötzlich mit Spaß besetzt sein können (www.ocg.at/biber).
  • Der ECDL ist die weltweit erfolgreichste Initiative zum Nachweis von arbeitsplatzrelevanten Computerkenntnissen und beinhaltet neben der effizienten Nutzung der wichtigsten Programme auch Sicherheitsaspekte, Datenschutz und Privacy, die Nutzung von Social Media und andere wesentliche Querschnittsthemen für mündige IKT-AnwenderInnen (www.ecdl.at).
  • Die Internationale Olympiade der Informatik bietet eine Arena für begabte junge InformatikerInnen (www.ocg.at/ioi).
  • PC Start ist ein Bildungsprogramm für die Zielgruppe SeniorInnen und bietet durch den Verzicht auf „Fachchinesisch“ und die Konzentration auf zielgruppenorientierte Aufgaben einen niederschwelligen Einstieg (www.ocg.at/pc-start)  

Über OCG und ECDL:

Die Österreichische Computer Gesellschaft (OCG) fördert als gemeinnütziger Verein den kompetenten Umgang mit dem Computer und das Bewusstsein für Risiken und Auswirkungen beim Einsatz von modernen Informations- und Kommunikationstechniken. Die OCG ist in Österreich für die Zertifizierung und Qualitätssicherung des Europäischen Computer Führerscheins (ECDL) zuständig, der standardisiertes Computerwissen vermittelt und bestätigt. Der ECDL wird in 148 Ländern durchgeführt. Details unter www.ocg.at und www.ecdl.at

Montag, 04.11.2013